Lyrics of the Past #1 – „Part of speech poems“

Gerade dachte ich noch „What ze fack! Schon einen Monat lang nichts mehr verfasst?!“ Nun ja, das kann eben passieren, wenn man sich die Zeit nicht gescheit einteilt und hier mal ein bisschen was für die Uni tut und da sehr vie prokastiniert und dort rumgammelt… ich bin halt doch eine ehrliche Seele und gebe zu, dass ich ein faules Söckchen bin. Aber gut, jetzt versuche ich, mich zu bessern und starte mit ein wenig Zeug aus meiner „Schreibervergangenheit“ – man soll ja zu seinen Sünden stehen.
Dieses Mal etwas aus der Zeit, als ich den Literaturkurs meiner High School besucht habe, als ich in den Staaten war, weswegen es auf englisch ist… aber man sollte ja sowieso seinen Horizont stets erweitern und auch mal nicht auf Deutsch dichten. Fehler sind übrigens kreative Mods =P
#MissyouNewPrague

A Knight
Fearless and honorable
Defend and fight
lightly
Sword

The Book
Heavy and old
Waits for reading
secretly
Page

A Rose
Beautiful and red
Smells and stings
Untouchable
Flower

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Eine kleine Lyrik-Sammlung

Dann und wann kann es vorkommen, dass man sich doch an Dingen versucht, die man eigentlich nicht mag. Dass man dann aber doch eine gewisse Schwäche für manche Arten entdeckt ist dabei aber doch nicht so selten. Deswegen probieren wirs doch nochmal mit Lyrik.

 

Nach Berthold Brecht 1941

Das Gemäuer von sandiger Farbe
Daran geschoben dunkles Holz, in Form gebracht.
Unordnung, Papiere und Werkzeug beherrschen das Bild
Zwei Bildschirme, ein schwarzes Gehäuse komplettieren.
Darüber die Klingen aus weit entfernten Universen,
ein Traumfänger.
Und jeden Tag heult leise der Strom frischer Luft
In der von buntem Licht durchbrochenen Schwärze.

 
Nur damit du Bescheid weißt

Ich habe die Farbe
geleert
die du für deine Kunst
verwendest

du hast
sicher damit
ein Gemälde
malen wollen

Es tut mir leid
ich habe sie
benutzt um
die Wand zu streichen

Haikus

Ein Bildnis an der Wand:
Schönheit in Öl gebannt.
Blutrot.
 
Ein Stein unter der Weide:
Altes Grab vergessen.
Kälte.

Wellen, Gischt, springender Fisch,
Rauschen, auch Möwen,
Wale und Bedeutungslosigkeit, oder?

Romane in Pillenform

Normalerweise ist es so, dass ein Autor versucht, etwas eigenes zu schaffen und aus dem Nichts sein „eigenes Ding“ entstehen zu lassen. Bis vor Kurzem hing ich ebenfalls dieser Theorie an, allerdings hatte ich die Gelegenheit, einen Autor kennen zu lernen, der dies etwas anders handhabt: Giorgio Manganelli (1922-1999) wurde in Deutschland insbesondere durch sein Werk „Centuria“ (dt.: Irrläufe) bekannt. Es handelt sich um eine Sammlung von einhundert Romanen, die jeweils nur eine Seite lang sind. Zunächst scheint die Themenwahl willkürlich; aber im Fortgang zeigt sich, dass die einzelnen Romane ein komplexes Netzwerk bilden. Wiederkehrende Themen sind: Sinnkrisen; Gespenster; die Hölle; Mörder; Dinge, die nicht existieren; Räuber; Prinzessinnen; Tyrannen.

Von Manganelli habe ich mir nun einen solchen „Roman in Pillenform“ heraus gepickt und ein wenig weiter gestrickt bis zu einem Punkt, wo ich denke dass er entweder fertig ist oder von jemand anderem weiter geführt werden kann. Zum Verständnis folgt nun zunächst Manganellis „Vorarbeit“, bevor ich sie weiter führe:

16 Der Herr im Leinenanzug mit Mokassins und kurzen Socken sieht auf die Uhr: es ist zwei Minuten vor acht. Er ist zu Hause und sitzt mit leichtem Unbehagen auf der Kante seines strengen und steifen Stuhls. Er ist allein. In zwei Minuten – jetzt sind es nur noch neunzig Sekunden – muß er anfangen. Er ist heute ein wenig früher aufgestanden, um auch wirklich bereit zu sein. Er hat sich mit Sorgfalt gewaschen, hat aufmerksam uriniert, geduldig den Darm entleert und sich mit peinlicher Genauigkeit rasiert. Seine gesamte Wäsche ist neu, nie gebraucht, und dieser Anzug wurde bereits vor über einem Jahr eigens für diesen Morgen angefertigt. Ein ganzes Jahr lang hat er es nicht gewagt, er ist oft sehr früh aufgestanden – im übrigen ist er ein Morgenmensch – aber immer, wenn er sich nach Besorgung aller Vorbereitungen auf den Stuhl setzt, schwindet ihm der Mut. Doch jetzt wird er gleich anfangen: es fehlen noch fünfzig Sekunden bis acht.

Wenn das Innere sich dagegen sträubte, dass die Zeit verging, konnten fünfzig Sekunden eine lange Zeit sein. Dahinglitten sie wie eine Schnecke, verwandelten sich in Minuten, Stunden, Tage. Langsam, sehr langsam näherte sich die Zeit dem Moment, in dem der Zeiger auf Acht springen würde. Acht Uhr: Ein ganzes Jahr war auf diesen Moment ausgerichtet, darauf was passieren würde oder könnte. Und am Ende war er erneut verzagt, jedes Mal aufs Neue. Doch heute – heute hatte er entschieden, dass dieser Moment der Richtige sein sollte und alles war auf diesen einen Augenblick hin ausgerichtet.

Schon dreißig Sekunden. Hatte er an alles gedacht? Rasch ging er im Geiste seine Vorbereitungen durch, während seine Hände ruhig auf der Fläche des Tisches ruhten, der vor ihm stand. Sein Körper schmerzte, da die Kante des Stuhls sich unvorteilhaft in sein Fleisch bohrte, Dennoch verharrte er in dieser Position, unwillig sich zu bewegen und die Stasis des Moments zu unterbrechen. Konzentration und Ruhe waren die Zauberworte, die diesen Augenblick definierten und von denen er gedachte, sich abhängig zu machen, um an diesem besonderen Morgen gar nichts falsch zu machen.

Zwanzig Sekunden. War er sich der Gefahren bewusst, denen er sich aussetzte? Möglicherweise hatt er sich nun lange genug gesträubt und gezögert. Jahr für Jahr hatte er sich zurück gehalten, gewartet und dann doch den Mut verloren. Aber nun war er bereit, nun galt es sich zu erheben und zu einem Leuchtfeuer zu werden. Ein Leuchtfeuer, das rasch zu einem Lauffeuer werden konnte – anderen Mut geben konnte. Eine Überlegung, die er bis zu diesem Morgen stets angefangen, aber nie bis zum Ende gedacht hatte.

Zehn Sekunden. Ist er wirklich sicher? Ein kurzes Zögern, das Aufflackern von Unsicherheit: Das Verlangen, wie jeden Tag einfach aufzustehen und das Ganze auf den nächsten Tag aufzuschieben. Ein Blick auf das Bild an der Wand. Die Erinnerungen an vergangene Tage. Ein letztes Mal blickt er auf die Uhr. Vergewissert sich, dass alles bereit ist. Blickt auf den Tisch vor sich – er nickt, ist sich sicher. Nein, heute muss es sein. Denn nur heute war es genau ein Jahr her. Nicht früher, nicht später. Er nickt, ist bereit.

Punkt Acht. Der Mann streicht ein letztes Mal seine Anzug glatt. Er fährt sich mit der Hand durch das Haar. Dann schnippt sein Finger schon fast den Schalter um, er verändert die Frequenz des Senders vor sich und mit klarer Stimme spricht er in das Mikrophon: „Es ist acht Uhr morgens, am 15. März im fünfzehnten Jahr des Regimes. Ich bin die Stimme der Freiheit. Dies sind die Nachrichten – unzensiert und näher an der Wahrheit als es die Obrigkeit wünscht.“

Der kleine tapfere Ritter

Diese Geschichte soll kein Märchen sein. Auch soll sie kein Lied auf die Liebe oder großen Heldenmut sein. Viel mehr ist diese Geschichte ein Mahnmal dafür, dass manche mehr und manche weitaus weniger bekommen, als das, was ihnen zustünde.

Der Held unserer Geschichte ist ein kleiner tapferer Ritter, dessen Herz jedoch so groß war, dass es gut einem Riesen zu Gesicht gestanden hätte. Er selbst hatte einen Namen, doch die wenigstens von uns hätten ihn aussprechen können. Doch er war bekannt unter dem Namen Aglai – Sir Aglai, vom Orden der vier Pfoten, Tapferer Recke der sechs Häuserblocks.

Ihr fragt euch jetzt sicher, ob ich euch mit dieser Aussage veräppeln möchte. Doch ihr müsst wissen, dass Aglai ein Kater gewesen ist, der dereinst ausgezogen war, um das Böse in all seinen Formen und Gestalten zu bekämpfen. Viele Schlachten hatte der tapfere kleine Ritter bezwungen und sein Körper war davon gezeichnet: Ihm fehlte ein Auge, ein Ohr war schon halb abgerissen und seine linke Vorderpfote war einmal gebrochen worden und in der Folge schlecht zusammen gewachsen.

All das hätte weitaus geringere Ritter dazu bewogen, aufzugeben. Doch so nicht Aglai. Denn Aglai war tapfer und hätte noch gefochten, wenn sein Leben dabei ein Ende gefunden hätte.

Nach Jahren der Reise war Aglai in einer Gegend angekommen, die von seltsamen Riesen bewohnt wurde. Diese Riesen lebten in großen grauen Blöcken, mit Löchern für Fenster und Türen und sie gaben Aglai den Namen, unter dem er fortan bekannt werden sollte: Aglai.

Aglai selbst hieß – wie wir schon wissen – nicht Aglai. Allerdings erhielt er niemals die Gelegenheit, sich diesen Riesen vorzustellen. Sie sahen ihn und riefen „Aglai! Aglai!“ Und manchmal warfen sie auch Steine nach ihm.

Aglai, der ihre Sprache nicht verstand, nahm an, dass es das Wort der Riesen für Ritter war und das gefiel ihm. Und so nahm er diesen Namen an. Was ihm natürlich nicht gefiel, war dass diese Riesen Steine nach ihm warfen, doch er lernte, den Riesen aus dem Weg zu gehen. Es war natürlich bedauerlich, dass diese Riesen seine Hilfe nicht wollten, doch so war es an Aglai, sich etwas zu suchen, an dem er seine Tapferkeit beweisen konnte.

Doch Aglai, welcher ein tapferer kleiner Recke war, war nicht nur tapfer. Er hatte auch ein großes Herz. Jahre der Wanderschaft hatten Aglai gezwungen allein zu leben und nicht selten sehnte er sich des Nächtens nach der Wärme eines anderen. Jemand, der ein Freund war, eine Geliebte. Jemand, mit dem er seine Hoffnungen, Sorgen und Ängste teilen konnte.

Doch es gab in dieser Gegend niemanden, der bei ihm bleiben wollte. Es gab nur diese Riesen und ihre Rufe. „Aglai! Aglai!“

Der kleinere tapfere Katzenritter durchstreifte viele Tage dieses fremde Land, erkundete es und lernte seine Eigenheiten kennen. Ihm fiel auf, dass es in sechs quadratische Gebiete, getrennt durch erstarrte Flüsse, eingeteilt war. An einem Tag lief Aglai die ganzen sechs Quadrate entlang, erkundete wie lang er brauchen würde, um dieses Gebiet verteidigen zu können. Denn Aglai hatte geschworen, dieses Land zu beschützen. Und so wurde er zu Aglai, dem kleinen tapferen Katzenritter der sechs vom erstarrten Fluss umspülten Landen.

Es war ein seltsames Land. Die Riesen warfen Essen fort – viel und vorallem gut. Aglai fragte sich, was für ein Land dies sein musste, wenn diese Wesen so viel Essen fort warfen. Daheim in seinem Land gab es nicht so viel, manchmal gab es Hungersnöte. Es kam ihm ungerecht vor und in seinem kleinen großen Herzen machte sich Trauer breit ob dieser Ungerechtigkeit.

Doch er konnte dieses Land nicht verlassen, er musste es doch beschützen. Und so blieb er, bewachte das Land Tag ein, Tag aus. Und sann darüber nach, wie er seinem Volk daheim eine Nachricht zu kommen lassen konnte. Doch er verzagte nie. Er suchte immer nach neuen Herausforderungen, maß sich mit den größten Gefahren und erlebte große Abenteuer.

Wie an dem Tag, an dem er beinahe von einem eisernen Drachen getötet wurde, die die Riesen ritten. Doch wie durch ein Wunder konnte er dem Ansturm des Drachen ausweichen und seinem donnernden Brüllen entkommen.

Doch andere Abenteuer harrten darauf, dass Aglai sie erforschte, doch nicht allen ging der kleine tapfere Katzenritter nach. Es war eine Sache, tapfer zu sein. Doch töricht zu sein, war eine ganz andere Sache und Aglai wollte nicht töricht sein.

Und so gab es Abenteuer, die er bestritt und auch Abenteuer, wo ihm sein kleines großes tapferes Herz sagte, dass es besser wäre, nicht zu tapfer zu sein.

So vergingen viele Monde und noch viel mehr Sonnen, bis Aglai eines Tages den beiden Bärenwölfen begegnete. Er wusste, dass die Riesen sich viele komische Tiere der unterschiedlichsten Arten hielten, doch diese Bärenwölfe waren die größten und auch lautesten. Wann immer Aglai ihnen vorher begegnet war, so hatten ihre grollenden „Geh weg! Geh weg!“-Rufe davon abgehalten, ihnen zu nahe zu kommen.

Doch niemals hielt er es lange aus, fern zu bleiben. Sie sprachen seine Sprache. Sie konnten mit ihm reden. Und noch immer sehnte er sich nach Freunden in diesem fremden Land. Sollte nicht doch die Möglichkeit bestehen, mit den Bärenwölfen Freundschaft zu schließen? Die Sehnsucht nach Freundschaft in seinem kleinen großen tapferen Herzen zu stillen? Aglai musste es auf einen Versuch ankommen lassen! Er war doch ein Ritter vom Orden der vier Pfoten! Er hätte seine Eide verletzt, wenn er jetzt nicht tapfer gewesen wäre.

Und so näherte er sich tapfer den zwei Bärenwölfen, die ihn wieder mit „Geh weg! Geh weg!“ empfingen.

Der Nebel lag noch über dem Viertel und die kühle Luft strich über das mit Tau verhangene Gras. Wie jeden Morgen lief ich die Straße entlang, um meinen Kopf frei zu bekommen und mich fit zu halten. Ich lief meine übliche Runde: Die sechs Blocks entlang und dann wieder zurück. Doch heute wollte ich im Zick-Zack laufen und wechselte bei jedem Abzweig, um die Strecke zu verlängern.

Als ich gerade auf dem Rückweg war, hörte ich ein leises jämmerliches Geräusch. Ich blieb stehen, schaute mich um. An einer Ecke, hinter einer Mülltonne, lag die kleine Straßenkatze, die von allen wegen ihrem Aussehen immer nur Ugly – Hässlich – gerufen wurde.

Sie war eigentlich nicht hässlich.. irgendwann in ihrem Leben war ihr nur etwas sehr Schlimmes zugestoßen. Doch heute… heute sah sie schlimm aus. Schlimmer als sonst. Ich schaute mich um und mir wurde klar, dass dies die Straße war, in der eine Familie mit zwei großen Hunden lebte. Der kleine Kerl musste ihnen wohl in die Quere gekommen sein.

Er sah schlimm aus, voller Blut. Er konnte nicht da liegen bleiben… nicht so. Vorsichtig hob ich ihn auf…

Der Kampf war schlimm gewesen. Aglai hatte die Boshaftigkeit der Bärenwölfe unterschätzt und sie hatten ihm sehr weh getan. Mit knapper Not war er ihnen gekommen – die erste Flucht im Leben des kleinen tapferen Ritters mit dem kleinen großen Herzen. Er hatte es geschafft, sich an den erstarrten Fluss zu retten, doch dann hatte ihn die Kraft verlassen.

Er lag dort, spürte wie das Leben aus ihm tröpfelte und bereute, nicht tapferer in seinem Leben gewesen zu sein. Doch dann spürte er… er wurde aufgehoben. Und als er sein kleines goldenes Auge öffnete, sah er einen Riesen.

Doch dieser Riese rief ihm nicht „Aglai! Aglai!“ zu, warf nicht mit Steinen nach ihm. Behutsam hatte er ihn auf seine großen Hände gehoben und drückte ihn vorsichtig an sich. Aglai fühlte in seinem Herzen eine Freude, wie er sie noch nie zuvor gespürt hatte. Dieser Riese wollte ihn nicht abweisen! Er wollte sein Freund werden!

Aglai war schwach, sehr schwach. Doch in seinem Inneren jubilierte alles. Jemand in diesem fremden Land wollte sein Freund sein und wollte ihm helfen! Aglai vibrierte vor Glückseligkeit und als er den Riesen ansah, machte dieser ein komisches, vielleicht sorgenvolles Gesicht. Vorsichtig, schwach, hob der kleine tapfere Ritter den Kopf und berührte den Riesen mit seiner Nase am Kinn. Er roch komisch… und sein Fell war kurz, kratzig. Doch Aglai machte das nichts.

Der Riese schaute ihn an, verwirrt. Doch sein Mund teilte sich, die Ecken nach oben. Aglai kam es freundlich vor.

Er hatte einen Freund… der ihn an sich drückte. Und mit einem Gefühl von tiefer Glückseligkeit im kleinen großen tapferen Herzen schlief der kleine tapferen Ritter Aglai vom Pfotenorden ein.

Inspiriert von dieser kleinen Geschichte: http://diply.com/inked-mag/ugly-the-cat-love-judge-appearance/156446

Ausgegrabene Relikte Teil 1 – Kirschblüten im Wind

Es ist immer wieder verwunderlich, was einem noch über den Weg läuft, wenn man seine alten Unterlagen durchwühlt. Und obwohl man sich dessen natürlich massiv schämt, gibt es doch das eine oder andere Relikt, was doch nicht soooo schlecht ist, dass man es am besten mit einem entschiedenen Druck auf die Entf-Taste vernichten will.

Dem Datumstempel nach habe ich dieses Stück vor 6 Jahren – also in der SEHR FRÜHEN Phase meines Schaffens – kreiert und ich bin noch unentschlossen was ich nach 6 Jahren von diesem Relikt halten soll.

 

Ich stehe allein hier, einsam im Garten meiner Vorväter.
Ich weiß, dass mir nur noch wenige Stunden bleiben, ehe ich wieder auf das Feld des Todes muss.
Doch ich genieße die Ruhe, die dieser Ort verströmt, welche ich gleich einem Gierigen in mich aufsauge.
Und doch… ist es mir, als ob mir etwas fehlt…
Ist es sie?
Sie, die mir einst die Liebe schwor und wir uns dann doch trennten?
Oder ist es die Unruhe, die mich immer erfüllt, wenn ich an die Gesellschaft anderer denke?
Diese Ablehnung gegenüber jeglicher Zuneigung?
Ich kann es nicht sagen, was es ist und doch weiß ich es…
Meine Finger versuchen eine der Kirschblüten, die sanft von den Bäumen regnen aufzufangen, doch es gelingt mir nicht.
Zart streichen sie mein Gesicht, so wie es einst liebevolle Finger taten.
Sanft berühren sie meine Wange, so wie es einst die Haut eines geliebten Menschen tat.
Ich blicke hinauf in den Himmel, dieses klare Blau, dass sich langsam rot verfärbt.
Mein Blick streift über den blutenden Sonnenball, wie er langsam hinter den Bäumen verschwindet.
Wieder denke ich an sie… wie sie mir fehlt.
Gefühle, die ich längst für tot erklärt habe kommen in mir auf.
Ich versuche sie zu verbannen, doch sie sind da…
Langsam erkenne ich das Ganze und mir wird klar, dass ich allein bin…
Allein mit der Schuld, der Trauer, dem Hass und all jenen Dingen die sich aus meiner Existenz gründen.
Ich will sterben, aber auch wieder nicht.
Rachegelüste steigen in mir auf, doch ich unterdrücke sie.
Mein Blick wandert in den Himmel und wieder sehe ich ihn.
Er wandert auf die Kirschbäume und ich wünsche mir, sie noch einmal berühren zu dürfen.
Sie, die ich sie doch liebte.
Sie, die sich von mir abwandte.
Sie, die ich dafür hasse und doch liebe.
Und ich denke wieder an Kirschblüten im Wind.

Lyrik, Klappe die Erste

Irgendein schlauer Mensch – war gewiss ein Dozent – hat mal gemeint, als Germanistikstudent müsste man sich mit Literatur, Prosa, Lyrik, Poesie und anderen Sachen auseinander setzen. Ich muss gestehen, ich habe es, aber Lyrik und Poesie konnte ich noch nie besonders viel abgewinnen. Umso mehr erstaunt es mich also, dass ich es jetzt innerhalb von zehn Minuten fertig gebracht habe, so etwas geartetes zu verfassen. Zu meiner eigenen Schande sieht es für mich (wie gesagt, ich habe die Lektionen in dem Bereich nahezu verdrängt) so aus, als wenn es der von mir so ungemochten Epoche des Expressionismus entsprungen sein könnte. Aber ich denke, es passt auch zu einigen aktuellen Themen.

Verzehrt und verzerrt,
Unser Bild von der Welt ist wie ein trübes Milchglas,
Dass man uns vor Augen hält.
Wir wissen nicht was richtig ist, noch was falsch.
In unseren Augen ist es recht,
In anderen jedoch nicht.

Was interessiert mich dein Bild,
Hab ich dich gefragt, was mir gefällt?
Rot wie Glut und purpur wie Gift,
Das ist das, was wir ernten,
Nebst dem Gelb des Neides
Und doch nur verzerrt.

Unser Bild wie Milchglas, das durch Wahrheit zerschellt.
Der Schaden ist angerichtet,
Wir ernten, was wir saen.
Hass hat uns entstellt,
Hass hat uns geprägt.

Alles hat ein Ende – Oder einen Anfang

Dies wird also mein erster Eintrag auf diesem Blog sein. Es mag dem einen oder anderen vielleicht etwas makaber anmuten, dass ich zur Geburt meines Blogs gleich mit einer derartigen Thematik auffahren werde, allerdings möchte ich hier ein Zitat aus den Werken von Andrzej Sapkowski anbringen, dass in meinen Augen sehr gut zu passen scheint: „Etwas endet, etwas beginnt.“  Und so wie diese Geschichte endet, so soll dann auch dieser Blog beginnen.

 

Die Uhr an der Wand tickte leise, doch ihm kam es unvergleichlich laut vor. Wie Paukenschläge vergingen Sekunde um Sekunde und mit jedem Schlag rückte Mitternacht näher. Die Luft roch nach Desinfektionsmittel, Medikamenten, Verbandszeug und Krankheit – so wie Krankenhäuser meist zu riechen pflegten. Doch er war schon so lange hier, dass er zumindest das ausblendete. Durch die milchige Glasscheibe des Gehäuses fiel das Licht der Neonröhren in das Zimmer und stahl der Dunkelheit etwas von seiner Absolutheit, während die Maschinen und Anzeigen neben ihm leise piepten, zischten, surrten und ratterten.

Es ging auf Mitternacht zu, doch es wollte in ihm keine Stimmung der Erneuerung aufkommen. Hinter dem Fenster leuchteten draußen in der schwarzen Nacht schon die ersten Raketen – abgeschossen von Übereifrigen, von jenen, die nicht mehr auf das neue Jahr warten konnten oder wollten. Zum unablässigen Ticken der Uhr gesellte sich immer wieder das leise Geräusch einer knallenden Rakete hinzu.

Sie schlief neben ihm, ihre Brust hob und senkte sich langsam und würde die Beatmungsmaschine nicht tapfer ihren Dienst verrichten, sie hätte schon längst aufgegeben. Auf ihrer bleichen Haut schimmerten die weißen Anschlüsse und metallischen Nadelenden, die sie am Leben erhielten. Sie war schwach. Ihr Körper war viel zu klein für dieses riesige Bett. Das einst kastanienbraune Haar wirkte stumpf, schon beinahe wie ein verirrter Farbklecks in einem Schwarz-Weiß-Film. Ihre Wangen waren hohl. Die Krankheit, dachte er, hatte sie körperlich aufgefressen, so wie sie mich seelisch zerrissen hat.

Es hatte schleichend begonnen, so wie viele Krankheiten dieser Art beginnen. Erst waren es Anzeichen gewesen, die sich leicht ignorieren ließen, doch dann waren es immer mehr geworden, bis letztendlich die niederschmetternde Diagnose kam. Dieses Jahr sollte das letzte Jahr werden und sie sollte es nicht schaffen. Es gibt viele Arten, mit solch einer Botschaft fertig zu werden, doch sie hatte sich dafür entschieden, zu leben. In diesem letzten einen Jahr hatten sie all das gemacht, was sie sich immer vorgenommen hatten und es hatte nicht gezählt, wie teuer oder unmöglich etwas hätte sein sollen. Es galt in diesem Jahr einfach nur, zu leben, bis das Ende kam.

Gemeinsam waren sie noch einmal in Frankreich, ihrer Heimat, gewesen. Es war Frühjahr , noch kalt. Er konnte sich noch genau daran erinnern, wie sie eines Morgens auf dem Balkon gestanden und über die kühlen Dächer der Stadt in den Morgentau geblickt hatte. Die Augen irgendwo auf jenseits des Horizonts gerichtet. Sie hatten noch andere Reisen unternommen, waren unter anderem in Italien gewesen, hatten dort gestanden, wo einst das mächtige Karthago das Mittelmeer kontrolliert hatte. Auch in die Staaten waren sie geflogen. Zu dem Ort, an dem sie sich kennen gelernt hatten. Sie hatten alte Freunde besucht, Gesichter die im Laufe der Zeit verblasst waren wieder aufgefrischt. Egal wie anstrengend etwas war, sie war immer stark geblieben.

In der Karibik hatten sich an einem Strand bei Sonnenuntergang ein ewiges Versprechen gegeben. Jahrelang hatten es beide hinaus gezögert, nie die Zeit gefunden. Doch jetzt musste er sich fragen, was ein solches Versprechen im Angesicht des Todes bedeutete? Nachdenklich betrachtete er den Ring an seiner rechten Hand, schob das goldene Band mit dem Daumen hin und her und dachte an die Worte, an die Gelübde, die sie einander dort gegeben hatten, dachte an den warmen Sand zwischen den Zehen und das Rauschen des Meeres im Hintergrund. Er nickte langsam. Es bedeutet eine Menge und ein derartiges Versprechen währt auch über das Ende hinaus.

Doch jetzt… Er blickte zu ihr. Ihre Brust hob und senkte sich unter den Laken ganz langsam und zaghaft, die sie zu erdrücken schienen, während das Beatmungsgerät Luft durch den Schlauch zwischen ihren Lippen in sie pumpte. Sie verwelkte vor seinen Augen einer Lilie gleich. Eine Blume, die langsam verdorrte, ehe sich der Schnee des Vergessens über sie legte. Doch anders als eine Blume würde sie nicht im neuen Jahr wieder geboren werden.

Seine Finger suchten die ihren. Diese Finger, die einst einen Pinsel so selbstsicher führten, die einem Piano einzigartige Töne entlockten. Noch immer waren sie schlank, aber wo sie elegant und fein waren, waren sie nun dünn und ausgemergelt. Ohne dass er es verhindern konnte, kamen ihm dabei die Worte in den Sinn, die er einmal in einem Buch gelesen oder in einem Film gehört hatte: ‚Wie Butter auf zu viel Brot verstrichen.‘ Eine wirklich unangebrachte Metapher für diesen Moment, doch sie passte. Vor dem Fenster krachten wieder mehrere Raketen und ein Blick auf die Uhr sagte ihm das Unvermeidbare: Nur noch wenige Momente bis Mitternacht.

Sie musste seine Berührung gespürt haben, denn sie öffnete leicht und zögerlich die Augen, als wären die Lider sehr schwer und es kostete allzu viel kraft sie ganz zu öffnen. Diese Augen, die die Farbe von tiefstem Grün hatten und die immer so gestrahlt hatten. Selbst jetzt, nach all der Mühsal, all den Schmerzen und all der Energie, die man ihr geraubt hatte, strahlten diese Augen tapfer und kündeten von ihrer geistigen Stärke. Sie war da. Sie war noch hier. Aber ihre Augen verrieten auch den Schmerz dieser Tortur, den sie noch immer erlitt. Und dann war da noch Trotz. Sie wussten beide, dass es auf das Ende zu ging und doch wollte etwas in ihr offenbar nicht in diesem Jahr sterben. Ihn nicht verlassen. Nicht ins Licht gehen. Und ihm ging es genauso. Da war dieser letzte Funken, in beider Herzen der sich gleichermaßen festklammerte und nicht los lassen konnte. Egal welche Wahrheiten man aussprach, egal welche Euphemismen man verwendete, am Ende sollte ihr Körper aufgeben und sie sterben. Er tat es jetzt schon… er wusste es, er konnte es sehen. Sie hatte Schmerzen und konnte aus eigener Kraft nichts mehr tun. Nur schwer konnte er sich vorstellen, was sie fühlte und doch wusste er es. Sie teilten diesen Schmerz. Es war das Band, das zwei Menschen teilten, die einander für die Ewigkeit versprochen hatten. Das Band von zwei Seelen.

Sanft drückte er ihre Finger und versuchte zu Lächeln. Die Stoppeln des Drei-Tage-Bartes in seinem Gesicht teilten sich und seine Mundwinkel zuckten, zu mehr war er nicht mehr fähig. „Hey.. .“ Sie blinzelte langsam zum Zeichen, dass sie verstand. Er wusste nicht so recht, was er sagen sollte und leckte sich über die trockenen Lippen. „Bald ist Neujahr. Hörst du die Raketen?“ Sie nickte, ihre Augen richteten sich langsam auf das Fenster. Leicht drehte sie den Kopf und im Leuchten der Lichter sah er eine einzelne Träne in ihrem Augenwinkel schimmern. Seine Finger streichelten ihre Hand ganz sanft und vorsichtig und mit der anderen wischte er die Träne fort. „Ich bleib bei dir, bis zum Neuanfang.“ Sie schaute wieder zu ihm und ihre Augen leuchteten – lächelten, auch wenn es ihr wunderschöner Mund nicht mehr konnte.

Ihr Blick glitt zu der Uhr an der Wand und dann zu ihm. Langsam nickte sie wieder. Sie wollte es von selbst schaffen, auf den letzten Metern. Er atmete hörbar ein, er zitterte, das war ebenfalls zu hören und langte zu den Maschinen. Nach kurzem Zögern, da der letzte Funken sich regte, schaltete er das EKG ab. Das Piepen erstarb, die Bewegungen ihres Herzens waren nicht mehr zu hören. In dem Moment, in dem er zu ihr blickte, in dem er wieder in ihre Augen sah, schlug es Mitternacht. Auf dem Flur jubelten die Mitarbeiter des Krankenhauses, wünschten sich ein frohes Neues Jahr, während draußen die Welt in einem Schauer aus Lichtern und Explosionen ins neue Jahr überging.

Im Zimmer war es still. Sie schloss die Augen und genoss diese letzte Bezeugung seiner Liebe, als er sich vor beugte und zärtlich ihr Gesicht streichelte, bevor er ihr einen sanften Kuss zum Abschied auf die Stirn drückte. Ihr Körper und ihr Geist schrien nach Erlösung, nach dem Ende der Schmerzen. Doch der letzte Funken hielt sich tapfer fest. Sie drückte seine Hand, so fest sie konnte. In den Ohren hörte sie den Schlag ihres Herzens. Zurückhaltend und leise. Mit jedem Schlag wurde sie müder und die Schmerzen ließen nach bis sie schließlich aufhörten. Sie fühlte sich auf einmal so leicht, wollte lachen und weinen vor Freude, war frei von den Schmerzen. Und mit einem warmen Lächeln stand sie auf, streichelte seine Wange, bevor sie den Raum verließ, frei von Maschinen und Anschlüssen und erlöst von den Schmerzen, in Gedanken bei ihm. Ein ewiges Band.

Kassierer am Limit

Erlebnisse an einer Tankstelle, unglaublich aber wahr.

Kassierer am Limit

Erlebnisse an einer Tankstelle, unglaublich aber wahr.